Whisky verstehen – von der Gerste bis ins Glas

SMWS-Elbe-Tasting

14.05.26

Tasting Ankündigung

Wie immer im Mai wurden zwei 3-stündige Touren durch den Hamburger Hafen angeboten.

Dabei durften wir 7 (mal wieder sehr gute) Tropfen verkosten.
Und das auf einem historischen (1913 gebauten) Schleppdampfer:

Claus D
Die Claus D.

Wer Näheres zum Schiff wissen möchte:
https://de.wikipedia.org/wiki/Claus_D.

Wettertechnisch hätten wir in diesem Jahr wirklich etwas Besseres verdient. Der Termin fiel mitten in die Eisheiligen – und die zeigten sich diesmal von ihrer kompromisslosen Seite. Dick eingemummelt in Jacken, teils sogar mit Mütze und Schal, saßen wir da und trotzten tapfer dem Wetter.

Ich hatte mich für die Nachmittags-Tour angemeldet, Startschuss 13:00 Uhr (die Abendveranstaltung begann um 17:00). Und wie schon beim letzten Mal war es ein herrlich absurdes Gefühl, bei leichtem Seegang auf der Elbe an Bord zu stehen – schwankend wie ein Leichtmatrose auf seiner ersten Fahrt, wohlgemerkt ganz ohne Alkoholeinfluss 😉 – und dabei Whisky zu verkosten. Ein Erlebnis, das gleichzeitig den Gaumen erfreut und den Gleichgewichtssinn herausfordert. Multitasking auf maritimer Profi-Ebene.

Kommen wir zu den Abfüllungen:

Allt-A-Bhainne

Allt-A-Bhainne

Im Abgang leicht bitter - laut Thom Brand-Ambassador von SMWS Norddeutschland ein Anzeichen dafür, dass er zu lange im Fass war.

Tomatin

Tomatin

Einer der beiden, die ich gekauft habe. Tropische Süsse, die überzeugt hat.

Braeval

Braeval

Starke Vanillenoten - naja... nach 13 Jahren im Bourbonfass eigentlich keine Überraschung.

Clydeside

Clydeside

Ganz neue Destille, von der erst in diesem Jahr das erste Fass bei der SMWS abgefüllt wurde. Aus der Creators Collection. Trotz der erst 7 Jahre war der erstaunlich gut ausgereift!

Blended Malt Batch 39

Blended Malt

Konnte mich nicht wirklich überzeugen. Die Torfnoten waren hier sehr ... sagen wir mal: dezent.

Caol Ila

Caol Ila

Für mich ist er der klare Tagessieger – und das, obwohl später noch ein 26‑jähriger Laphroaig an den Start ging. Der Titel Fair Winds and Following Seas ist eine traditionelle nautische Gruß- und Segensformel. Sie wünscht sinngemäß guten Wind und eine sichere, angenehme Reise.
Im Deutschen entspricht dem unter Seglern am ehesten der Gruß: ...und immer ne Handbreit Wasser unterm Kiel!
Oder unter uns Whisky-Liebhabern: Und immer nen Dram im Glas!

Die Zugabe: Laphroaig

Laphroaig

Bei einem 26-jährigen Laphroaig kann man nicht viel falsch machen! Ein wirklich ausdrucksstarker Islay - aber wie eben schon gesagt: Für mich persönlich war der wesentlich jüngere Caol Ila besser!

Das komplette Line-Up:

  1. Allt-A-Bhainne 13 yrs: Fifty Shades of Earl Grey - (Sweet & Zesty)
  2. Tomatin 11 yrs: A Tiki Highland Hoolie - (Ripe Fruits & Honey)
  3. Braeval 13 yrs: Balloon Ride to Wicked Darkness - (Toasted Oak & Vanilla)
  4. Clydeside 7 yrs: Root Beers and Triple Secs - (Dried Fruits & Spices)
  5. Blended Malt 11 yrs: The Fife Regions - (Smoky & Fruity)
  6. Caol Ila 12 yrs: Fair Winds and Following Seas - (Bold & Peaty)
  7. und als Zugabe:

  8. Laphroaig 26 yrs: Beachside Smokehouse - (Bold & Peaty)

Und hier noch einige Impressionen aus dem Hamburger Hafen:

Michel
Steuerhaus
Schornstein
An Bord
Wrack
Elphie
Die Elphi mit einem vorbeifahrenden Dreimaster

📝 Fazit des Tastings

Wie ich eingangs schon erwähnte, war die Auswahl der Abfüllungen erneut ein kleines Meisterwerk. Zwei Whiskys haben mich derart begeistert, dass ich sie direkt kaufen musste: den Tomatin und den Caol Ila. Mehr Lob kann man einem Tasting eigentlich kaum aussprechen.
Und dass ich durch den Secret Shop nach dem Tasting noch 60 € sparen konnte, hat die Freude nicht gerade gedrosselt!
😉

Doch so großartig die Drams waren, so ernüchternd war der Blick auf die Teilnehmerliste. Wie schon bei meinen letzten Teilnahmen bei SMWS-Tastings im Februar und April blieb die Besucherzahl weit hinter dem zurück, was dieses Event eigentlich verdient hätte. Mehr Crew als Gäste hatte der Dampfer zwar nicht ganz – aber weit entfernt war man davon auch nicht.

Am Nachmittag saßen wir mit gerade einmal 13 ( ! ) Enthusiasten an Bord - das Doppelte hätte locker gepasst. Abends platzte das Schiff dann förmlich aus allen Nähten – mit immerhin 15 Gästen.

Und so verständlich es wirtschaftlich leider ist:
Die SMWS kann solche Events auf Dauer nicht als reines Liebhaberprojekt stemmen. Die Bootsmiete für zwei mal drei Stunden lag wohl geschätzt in derselben Größenordnung wie die Flaschen eines ausgewachsenen Masterclass-Tastings – nur dass man das Boot am Ende leider nicht austrinken kann. Die Konsequenz folgte prompt – und traf mich ehrlich gesagt ziemlich hart:

Vorerst keine SMWS-Tastings mehr in Hamburg.

Was mich dabei wirklich fassungslos macht: Wie kann es sein, dass in einer Millionenstadt wie Hamburg ein Whisky-Tasting auf einem historischen Dampfer inklusive Hafenrundfahrt nicht binnen kürzester Zeit ausverkauft ist?

Gleichzeitig peilt das deutlich kleinere Bremen beim nächsten SMWS-Tasting die 100-Besucher-Marke an.
Bremen. Nicht Edinburgh. Nicht Islay. Bremen.

Ein Kontrast, der so absurd ist, dass man ihn eigentlich mit einem guten Dram wegspülen möchte.